Möwe spiegelt sich im Wattenmeer, Titelbild des Projekts Küstenwandel
Familie auf Wattwanderung spiegelt sich im Watt, Bild auf dem Kopf stehend

Unverpackt ist Trend - Ein Besuch im sOHNEnschein Bockhorn

Verpackungsfrei Einkaufen, geht das wirklich?
Wie Einkaufen ohne Verpackungsmüll funktioniert, zeigen die Unverpackt-Läden, die in den letzten Jahren, nach dem Zero-Waste Prinzip, an vielen Orten entstehen und neben müllfreiem Ein- und Verkauf auf gesunde, natürliche und umweltverträgliche Produkte setzen. Dieses ökologische Geschäftsmodell gibt es seit Frühjahr 2019 nun auch in Bockhorn. In ihrem Unverpackt-Laden sOHNEnschein verkaufen Swetlana Weinmeister und ihr Team vegane Lebensmittel, Pflegeprodukte und Reinigungsmittel, alles aus biologischer und fairer Produktion.

Anders einkaufen!
„In der Regel haben sich die sOHNEnschein-Kunden mit der Geschäfts-Philosophie schon auseinandergesetzt und wissen die hochwertigen Naturprodukte sehr zu schätzen“, sagt Frau Weinmeister. „Vielleicht liegt es auch daran, dass die Menschen auf dem Land naturverbundener sind als Stadtmenschen. Sie sind stolz auf ihren Laden, denn die meisten Unverpackt-Läden eröffnen ja in großen Städten“. Fertigprodukte der Nahrungsmittelindustrie sucht man hier vergebens. Aber der Verbraucher fühlt sich überhaupt nicht eingeschränkt. “In vielerlei Hinsicht ist es ein entspanntes Einkaufen, da z.B. die lästige Suche nach unerwünschten Zusatzstoffen entfällt und eine fachkundige Beratung Hilfestellung leistet“, berichtet Frau Weinmeister. „Bei Pflege- und Kosmetikprodukten sind die Kunden oft unsicher. Da der Einfluss von Werbung und Medien relativ groß ist, fällt es besonders jungen Menschen schwer zu glauben, dass Naturkosmetik (ohne Mikroplastik!) nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die eigene Gesundheit die bessere Wahl ist. Vom Deo allerdings sind mittlerweile alle Käufer überzeugt“.

Bei der Eröffnung des Ladens bestand das Basissortiment überwiegend aus Grundnahrungsmitteln. Mittlerweile gibt es ein umfangreiches Sortiment mit über 600 Artikeln. Im Angebot sind Müsli, Nüsse, Trockenfrüchte, Nudeln, Reis, Getreide, Ölsaaten, Gewürze, Aufstriche, Kaffee, Tee, Süßes und Salziges, Gemüse, Obst und Getränke, Kosmetik, Putz- und Reinigungsmitteln, Bücher und einiges mehr. „Die Kunden sind maßgeblich an der Sortimentserweiterung beteiligt“, sagt Frau Weinmeister. Viele Wünsche und Anregungen wurden umgesetzt und werden weiterhin dankbar entgegengenommen.

Auf der Beliebtheitsliste ganz oben stehen Frühstückscerealien, die große Auswahl an Nüssen und alles, was man täglich braucht. Eine Mindestabnahme gibt es nicht, denn jeder kann sich seinen persönlichen Mengen-Bedarf direkt aus den großen Aufbewahrungsbehältern selbst zusammenstellen. Dies ist ein großer Vorteil, wenn man nur kleine Mengen benötigt oder erst einmal etwas Neues ausprobieren möchte.

Die allermeiste Ware befindet sich in großen, durchsichtigen Verkaufsbehältern, einiges in wiederverwendbaren Gläsern. Wenn es gar nicht anders geht und aus hygienischen Gründen (z.B. Zahnseide) eine Umverpackung notwendig ist, besteht diese aus 100% Naturmaterialien, welche vollständig biologisch abbaubar sind. Eingekauft wird mit selbstmitgebrachten oder im Laden erhältlichen Behältern (Gläser, Schüsseln, Dosen etc.). Diese werden gewogen, mit einem Etikett für das Eigengewicht beklebt und mit der gewünschten Ware befüllt. An der Kasse wird nochmals gewogen und das Eigengewicht des Behälters abgezogen.

Und hinter den Kulissen?
Obst und Gemüse werden vom regionalen Bio-Bauern geliefert und die Trockenware vom regionalen Bio-Großhandel oder vom bio-fairen Unverpackt-Großhandel in Süddeutschland. Geliefert wird in Großgebinden, je nach Ware, bis zu 25 kg, in wiederverwendbaren Kraftpapiersäcken, Pfandeimern und Pfandbehältern, lediglich Fruchtgummis werden produktbedingt in Cellulose (aus 100% nachwachsenden Rohstoffen, biologisch abbaubar) aufbewahrt. Gelagert wird die Ware z.B. in deklarierten, luftdichten Weißblechbehältern und chargenweise in die regelmäßig gereinigten Verkaufsbehälter gefüllt.
„Es kommt sehr selten vor, dass Lebensmittel das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben oder welk werden. Wenn doch, werden sie reduziert und kommen in den Korb zur „Lebensmittelrettung“, sagt Frau Weinmeister. Hier sind sich alle einig: Es darf überhaupt nichts weggeworfen werden.

Weniger ist eindeutig mehr!
Ein Unverpackt-Laden ist nicht nur ein klares Statement gegen Verpackungswahn und Überfluss, das Geschäftsmodell birgt auch die Chance, regionalen Einzelhandel aufleben zu lassen und Interneteinkäufe zu reflektieren. Für Swetlana Weinmeister zählt der Grundgedanke: Los gehen, nicht hinauszögern und einfach machen. „Wir sollten schnell reagieren und nicht auf weitere Schäden warten, die uns überzeugen könnten, zu handeln“.

Weitere Informationen:
www.sohnenschein.de
www.netzwerk-unverpackt.de
www.zero-waste.de

Weitere Unverpackt-Läden in der Region: "N8ket" in Esens und "Mercado Mundial" in Schortens/Grafschaft. Außerdem gibt es bereits Initiativen für neue (plastik)verpackungsfreie Geschäfte in Wilhelmshaven (thalasophil > sucht noch Unterstützer) und Jever (Kooperation mit dem Verein Menschenkinder e.V.).

 

Hier noch ein paar Bilder aus dem sOHNEnschein in Bockhorn: Das erste Bild zeigt Swetlana Weinmeister (links) und Mitarbeiterin Ilse Kamps. (Fotos: Susanne Balduff)

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