Möwe spiegelt sich im Wattenmeer, Titelbild des Projekts Küstenwandel
Familie auf Wattwanderung spiegelt sich im Watt, Bild auf dem Kopf stehend

Ein Portrait der Klimagruppe Friesische Wehde

Sabina Fleitmann und Stephanie Langner

Endlich konnten wir es umsetzen, unser langgeplantes Gespräch. Im schönen Garten von Frau Langner haben wir die beiden Gründerinnen der Zeteler Klimagruppe, Sabina Fleitmann und Stephanie Langner getroffen und in netter Runde viel Interessantes über die neugegründete Gruppe, Klimaaktionen, Mitmachprojekte und Zukunftsvisionen erfahren.

Wie kam es dazu eine Klimagruppe zu gründen?

Kennengelernt haben sich die beiden Aktivistinnen bei einer von Frau Langner organisierten Fridays for Future Demonstration in Zetel. Sie waren sich einig, dass Klima-Initiativen nicht nur in großen Städten von Bedeutung sind, sondern dass im eigenen Umfeld viel getan werden kann und muss. Mit ihrer Einschätzung lagen sie richtig, denn zu den weltweit stattfindenden Klima-Kundgebungen am 20. September vergangenen Jahres konnten sie 150 Menschen mobilisieren, um gemeinsam in Zetel für eine zukunftsfähige Klima-Politik zu demonstrieren. Während der Aktion wurden viele kleine Zettel mit persönlichen Zukunftswünschen beschriftet und von den teilnehmenden Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen an einer langen Leine sichtbar gemacht.

In den folgenden Wochen reifte die Idee zur Gründung einer neuen Klimagruppe für Zetel und Umgebung. Am 20. Februar wurden die „archivierten Zukunftswünsche“ ein zweites Mal in Zetel präsentiert und die Gründung der neuen Klimagruppe Friesische Wehde vorgestellt.

Welche Motivationen, Ziele und Wünsche stecken dahinter?

Persönliche Motive gibt es einige: „Vor allem ist es die Klarheit über die Veränderung unserer Umwelt und die katastrophalen Folgen, die auch hier immer mehr spürbar sind. Das verändert den Blickwinkel auf die Existenz und fordert Verantwortung und Wertschätzung, so wie den Wunsch zu beschützen und etwas beizutragen.“ berichten Sabina Fleitmann und Stephanie Langner.
Dabei sehen sie sich als Koordinatorinnen aus dem „Kleinen heraus“. Sie möchten mit der Klimagruppe etwas Konkretes vor Ort schaffen, in den Dialog treten, Diskussionsbedarf wecken, Menschen mobilisieren und unterstützen, um gemeinsam mit Bürgern und Politik etwas zu bewegen.

 

Ideen und Projekte!

Seit der Klimagruppengründung hat sich schon viel bewegt und aus Ideen und Visionen sind (dank mindestens 10 aktiver Mitstreiter) konkrete Projekte geworden.

Mit „blühenden Schubkarren für Zetel und Umgebung“ setzt die Gruppe ein Zeichen gegen Insektensterben und Landschaftsverödung. An abgemähten Randstreifen oder an Orten wo grundsätzlich zu wenig blüht, werden bald Schubkarren mit Insektenblühpflanzen aufgestellt. Sie sollen die Umgebung verschönern, aber vor allem Aufmerksamkeit wecken und auf die Problematik des mangelnden Nahrungsangebots für Insekten hinweisen. Das Projekt erhält viel positive Resonanz. Fünfzehn ausrangierte Schubkarren wurden bereits gespendet und es können gerne noch mehr werden. Wer aktiv dabei sein möchte, kann eine Patenschaft für einzelne Schubkarren übernehmen und sich um die Pflege kümmern oder Geld für eine Bepflanzung spenden. Finanziell gefördert wird das Vorhaben u.a. von der Naturschutzstiftung Friesland, Wittmund, Wilhelmshaven.
Nach dem Motto: “Einfach mal wachsen lassen“ gibt es noch weitere Ideen zu Landschafts-Projekten, wozu auch ein Gemeinschaftsgarten gehören könnte.

„Boomerang-Bags“ sollen zukünftig Plastiktüten ersetzen! Die Idee der Boomerang-Bags stammt ursprünglich aus Australien und wird mittlerweile weltweit umgesetzt. Jetzt hat sich auch die Klima-Gruppe diesem Projekt angeschlossen. Aus nicht mehr gebrauchter Kleidung oder Stoffresten werden Einkaufstaschen genäht und in verschiedenen Geschäften kostenlos für die KundInnen bereitgelegt. Die Taschen können mitgenommen, behalten oder wieder getauscht werden. Jede Tasche ist ein Unikat und ein Statement gegen den Verpackungswahn. Für den Wiedererkennungswert werden die Taschen mit dem offiziellen Boomerang-Bag-Logo bedruckt. Fördergelder für den Druck des Logos sind bereits beantragt.

Die derzeitige Corona-Situation hat dieses Vorhaben ein wenig verzögert. Schnell reagiert und kurzfristig umorganisiert, wurde die Mundschutz-Nähwerkstatt Friesland mit über 70 freiwilligen Helfern ins Leben gerufen. Die Masken sind kostenlos auf dem Zeteler Markt erhältlich.

„To go“ aber umweltfreundlich! Auch mit einigen Gastronomen aus der Region befindet sich die Gruppe im derzeitigen Dialog. Denn besonders beim Essen und Trinken „to go“ könnte auf Plastik und umweltschädliches Einweggeschirr verzichtet werden. Über bereits vielfach erprobte und individuell passende Möglichkeiten, vom Leihgeschirr bis zum Einmalgeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen, haben sich die AktivistInnen informiert und stehen mit Rat und Tipps der interessierten Gastronomie hilfreich zur Seite.

Protest und Missfallen! Neben dem Bau des Autohofs Ellens/Blauhand ist auch der Bau eines großen Logistikzentrums geplant.  Dass dieses Vorhaben eine enorme Verkehrsbelastung für Zetel und andere Gemeinden bedeutet, ist allgemein nicht bekannt. Mit einer Protestveranstaltung wird die Klimagruppe am 26. Juni, um 16.00 Uhr in Zetel darauf aufmerksam machen.


Mitmachen erwünscht!

Wer aktiv mitgestalten möchte oder eigene Ideen einbringen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen. Die Klimagruppe Friesische Wehde freut sich über jede Unterstützung. Ein Austausch und gemeinsame Planungen finden auch zu Corona-Zeiten statt. Wöchentlich, immer donnerstagsabends wird eine Online-Videokonferenz organisiert, an der alle Mitstreiter teilnehmen können.

Kontakte und Informationen unter:

Klimagruppe-FriesischeWehde@web.de

Sabina Fleitmann: sabina@sfleitmann.de oder 04453 5079565

Stephanie Langner: stephanie@langner-zetel.de oder 0170 7370635

https://www.facebook.com/KlimagruppeFriesischeWehde/

 

Text: Susanne Balduff

Fotos: Sabina Fleitmann, Stephanie Langner, Susanne Balduff

 

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