Dolly Ropes – Scheuerschutz mit Nebenwirkungen
Was sind Dolly Ropes?
Dolly Ropes sind Bündel aus langen, dünnen Plastikfäden, meist aus Polyethylen, die vor allem in der Grundschleppnetzfischerei eingesetzt werden. In dieser besonders intensiven Fangmethode, etwa beim Fang von Nordseegarnelen, Seezungen oder Plattfischen werden schwere, trichterförmige Netze über den Meeresboden gezogen. Dabei kann es zu starkem Abrieb und Beschädigungen an den Netzen kommen.
Um diese teuren Fischernetze zu schützen, werden Dolly Ropes an der Unterseite der Netze angebracht. Beim Schleppen über den Boden spreizen sich die Plastikfäden auf und bilden eine Art Schutzpolster zwischen Netz und Meeresgrund. Aus diesem Grund werden sie auch „Scheuerfäden“ genannt.
Vorteile der Dolly Ropes
- Schutz der Netze vor Abrieb: Die Dolly Ropes verhindern, dass die Netze durch Felsen oder groben Meeresboden beschädigt werden.
- Kosteneinsparung für Fischer: Weniger Reparaturaufwand und längere Lebensdauer der Netze bedeuten geringere Betriebskosten.
- Einfache Handhabung: Sie lassen sich unkompliziert in das Netz einarbeiten und bei Bedarf ersetzen.
Diese Vorteile machen die Dolly Ropes zu einem nützlichen Werkzeug aus Sicht vieler Fischereibetriebe.
Nachteile der Dolly Ropes
Ein massives Umweltproblem
So nützlich sie auch sein mögen, die Nachteile überwiegen mittlerweile deutlich. Denn Dolly Ropes stellen ein ernstes Problem für die Umwelt dar.
Hoher Materialverlust und Meeresverschmutzung
Die Fäden sind Verschleißmaterial: Bereits nach wenigen Tagen im Einsatz reißen sie ab oder verfilzen sich. Schätzungen zufolge gehen 20 bis 50 % der Dolly Ropes während ihrer Nutzungszeit verloren, bei der niederländischen Fischerei macht das 50 bis 100 Tonnen Plastikmüll jährlich in der Nordsee aus.
Häufig gelangen die Reste auch durch unsachgemäße Entsorgung beim Netzwechsel ins Meer. Einmal freigesetzt, zersetzen sich Dolly Ropes nur sehr langsam, nach 400 bis 600 Jahren, und dann nur zu Mikroplastik, das dauerhaft im Meer bleibt.
Gefährlich für Tiere
Die Plastikfäden werden von Tieren mit natürlichem Material verwechselt. Ein besonders trauriges Beispiel sind die Basstölpel auf Helgoland: 97 % ihrer Nester enthalten Kunststoff – vor allem Dolly Ropes. Die Jungvögel verfangen sich darin und sterben qualvoll, oft nach Tagen.
Auch andere Meerestiere leiden: Sie fressen Mikroplastik oder verheddern sich in den Fäden, mit oft tödlichen Folgen.
Verstoß gegen internationales Recht
Laut dem MARPOL-Übereinkommen (Annex V), das die Meeresverschmutzung durch Schiffe regelt, ist der Eintrag von Plastik ins Meer grundsätzlich verboten. Da der Einsatz von Dolly Ropes wissentlich zu Plastikverschmutzung führt, stellt ihre Verwendung einen klaren Verstoß gegen diese internationale Vereinbarung dar.
Gibt es Alternativen?
Ja! Und sie werden bereits erfolgreich erprobt. Sowohl neue Materialien als auch neue Technologien können Dolly Ropes überflüssig machen oder ihre Umweltfolgen reduzieren.
Natürliche und abbaubare Materialien
In verschiedenen Projekten, etwa im niederländischen „DollyRopeFree“-Projekt wurden Alternativen wie Yak-Leder, Hanf oder Holz getestet. Diese Materialien sind robust, biologisch abbaubar und hinterlassen keinen schädlichen Müll im Meer. Auch biologisch abbaubare Kunststoffe wurden entwickelt, allerdings bestehen hier noch Einschränkungen hinsichtlich Haltbarkeit und Umweltwirkung.
Neue Netzdesigns ohne Bodenkontakt
Das Thünen-Institut arbeitet im Projekt „DRopS“ an modifizierten Netzen, die keinen Bodenkontakt mehr benötigen. Dazu gehören:
- Auftriebskörper zur Anhebung der Netze
- Stabilere Netzformen
- Reduziertes Gewicht am Netzende
Diese Lösungen sind nicht nur effektiv, sondern auch kostengünstig: Ein einfacher Auftriebskörper kostet unter 100 Euro und lässt sich leicht anbringen. Zudem entfällt die zeitintensive Anbringung und Erneuerung der Dolly Ropes.
Besseres Müllmanagement auf See
Auch bessere Abfallentsorgung auf Fischereischiffen ist ein wichtiger Schritt. Eine Sensibilisierung der Fischereicrews für die Umweltschäden durch Dolly Ropes kann schon kurzfristig dafür sorgen, dass weniger davon ins Meer gelangen.
Upcycling – aus Müll wird Material
Einige Initiativen sammeln bereits verlorene Dolly Ropes aus dem Meer, zum Beispiel Healthy Seas oder Ghost Diving. Die Plastikreste werden recycelt oder zu neuen Produkten verarbeitet, etwa zu Schmuckstücken wie Ohrringen oder Armbändern.
Einige Fischer handeln bereits
In Greetsiel und Norddeich haben viele Krabbenfischer den Einsatz von Dolly Ropes bereits freiwillig eingestellt. In Norddeich ist der Hafen sogar vollständig Dolly-Rope-frei. Stattdessen nutzt man Auftriebsmittel oder Lösungen aus Yak-Leder. Zwar sind diese Alternativen derzeit noch teurer, doch sie zeigen, dass Umweltschutz und Fischerei miteinander vereinbar sind.
Fazit: Es ist Zeit für Veränderung
Dolly Ropes mögen ursprünglich als praktische Lösung gedacht gewesen sein, doch ihre Folgen für die Umwelt sind gravierend: Mikroplastik, tote Seevögel, verschmutzte Strände und ein wachsender Anteil am globalen Meeresmüll.
Die gute Nachricht: Technische Alternativen existieren bereits. Sie sind erprobt, bezahlbar und umweltfreundlich. Was jetzt fehlt, ist der politische Wille diese Lösungen flächendeckend umzusetzen. Ein EU-weites Verbot, wie es im deutschen Koalitionsvertrag vorgesehen ist, wäre ein richtiger Schritt. Denn Meeresmüll kennt keine Grenzen.